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Fasten: Was bringt es?

Die Fastenzeit ist für viele Menschen eine Phase der Besinnung und des bewussten Verzichts. Das Fasten hilft, unsere Nahrungsaufnahme aufmerksamer wahrzunehmen und alte Gewohnheiten zu durchbrechen. Wenn dabei die Pfunde purzeln ‒ umso besser. Zudem soll es den Körper reinigen und entschlacken, die Haut klären und die Verdauung verbessern. Auch bei Erkrankungen wie Rheuma, Bluthochdruck, Diabetes und Allergien soll Fasten positiv wirken. Aber ist es tatsächlich gesund, nichts zu essen? Was passiert dabei im Körper? Lesen Sie hier einige Tipps, wie Sie gesund und wirkungsvoll fasten.

Nahrungsmangel, Heilmittel oder religiöses Ritual

Das Fasten ist so alt wie die Menschheit. Oft genug war es allerdings der Mangel an Nahrung, der Menschen zum Fasten zwang. Aber auch viele Religionen schreiben von alters her Fastenzeiten als Rituale der Reinigung vor. Aus gesundheitlichen Gründen empfahlen Heilkundige wie Hildegard von Bingen, Paracelsus oder Pfarrer Kneipp das Fasten. Bereits um 400 v. Chr. meinte der griechische Arzt Hippokrates, die Menschen sollten ihr „Weh eher durch Fasten als durch Medikamente“ heilen.

Fasten: Festhalten und neue Gewohnheiten

Fasten heißt eigentlich „festhalten“, womit das Festhalten am Nahrungsverzicht gemeint war. Heute geht es den meisten Fastenden jedoch um Veränderungen. Denn wir essen oft aus reiner Gewohnheit. Die Gewohnheiten zu durchbrechen, neu wahrzunehmen und bei Bedarf zu ändern, ist ein Fasten-Ziel. Viele hoffen auch, dass beim Fasten einige Kilos auf der Strecke bleiben. Das kann jedoch nur gelingen, wenn der Einschnitt genutzt wird, um danach leichtere und gesündere Essgewohnheiten einzuführen.

Gesünder bei Rheuma, Allergien und Bluthochdruck

Bei einigen Erkrankungen scheint das Fasten hilfreich zu sein. So reduziert der Verzicht auf Nahrung bei vielen Rheumakranken die Entzündungen und Schmerzen. Auch bei Allergien soll Fasten die Symptome bessern. Zugleich kann es als Grundlage dienen, um in gezielten Diäten herauszufinden, welche Nahrungsmittel vertragen werden und welche nicht.

Da Fasten in der Regel den Blutzuckerspiegel und die Cholesterinwerte normalisiert, kann es auch die Behandlung von Diabetes oder Bluthochdruck unterstützen. Vorsicht ist jedoch bei Gicht geboten, da eventuell ein Gichtanfall ausgelöst werden kann. Wird Fasten als Therapie bei Erkrankungen eingesetzt, sollte dies auf jeden Fall unter Aufsicht erfahrener Ärzte erfolgen!

Der Hungerstoffwechsel: Was beim Fasten passiert

Wenn wir nichts essen, versorgt der Körper sich aus seinen Reserven. Zunächst werden die Kohlenhydratspeicher in Leber und Muskeln aufgebraucht. Sie sind meist schon nach dem ersten Fastentag leer. Unser Gehirn ist allerdings auf Kohlenhydrate in Form von Zuckern angewiesen. Da Fett nicht zu Zucker umgebaut werden kann, müssen Eiweiße in Zucker umgewandelt werden.

Um die Muskeln und die Organe mit Energie zu versorgen, geht es spätestens ab dem dritten Fastentag an die besten Energiespeicher, unsere Fett-Depots. Die freigesetzten Fettsäuren werden jedoch nur zum Teil von der Muskulatur genutzt. Der Rest wird zu sogenannten Ketonkörpern umgebaut, die den Muskeln leichter und schneller Energie liefern. Sie sind für den aceton-artigen Atemgeruch von Fastenden und Diabetikern verantwortlich.

Eiweißabbau: nützlich oder schädlich?

Der Abbau von Körper-Eiweißen gilt bei Fasten-Fans als nützlich. Denn auch krankmachende und entzündungsfördernde Eiweiße sollen dabei unschädlich gemacht werden. Fasten-Gegner argumentieren dagegen, dass bei strengem Fasten Muskel-Eiweiß abgebaut wird.

Woher das abgebaute Eiweiß tatsächlich stammt, ist bislang nicht geklärt. Im Laufe der Fastenzeit wird jedoch weniger Eiweiß abgebaut, da dann auch die Nerven ihre Energie aus Ketonkörpern beziehen. Auf jeden Fall erscheint es sinnvoll, beim Fasten etwas Eiweiß aus Molke oder Obst und Gemüse zu sich zu nehmen. Und moderates sportliches Training ist wichtig, um den Abbau von Muskeln zu verhindern.

Entschlacken: Gibt es Schlacken im Körper?

Fasten soll den Körper entschlacken, ihn von Abfallstoffen befreien. Den Begriff „Schlacken“ prägte vor allem der Fastenarzt Otto Buchinger. Wissenschaftlich nachweisen lassen sie sich jedoch nicht. Denn überschüssige Abbauprodukte des Stoffwechsels werden ständig über Harn, Kot, Schweiß und Atem ausgeschieden. Diese Ausscheidungsprozesse zu fördern und weniger problematische Stoffe zu sich zu nehmen, kann jedoch ein Ziel des Fastens sein.

Vorsicht vor Übersäuerung und Harnsteinen

Durch den veränderten Stoffwechsel und die Bildung von Ketonkörpern beim Fasten kommt es zu einer leichten Übersäuerung des Körpers. Hier kann man mit basischer Kost gegensteuern: Obst- und Gemüsesäfte sowie Wässer mit viel Hydrogencarbonat (HCO3-) neutralisieren die Säuren. Zudem wird beim Fasten vermehrt Harnsäure gebildet. Dadurch steigt das Risiko, dass Harnsteine entstehen. Deshalb ist es wichtig, möglichst viel zu trinken.

Fazit: Die positiven Wirkungen des Fastens sind bislang nur unzureichend wissenschaftlich belegt. Zudem birgt das Fasten auch gesundheitliche Risiken. Deshalb sollte man vorher klären, ob man problemlos fasten kann. Dann kann richtig durchgeführtes Fasten Körper und Seele gut tun und als Anstoß zu einer gesünderen Lebensweise dienen.

Darauf sollten Sie beim Fasten achten

Sicher fasten: Wer noch nie gefastet hat, sollte vor dem Start seine Gesundheit überprüfen lassen. Für den Einstieg ist angeleitetes Fasten in der Gruppe hilfreich. Bei Erkrankungen unbedingt den Arzt zu Rate ziehen und unter Aufsicht fasten. Schwangere und Stillende sollten nicht fasten.

Entlastungs- und Aufbautage: Stellen Sie Ihre Kost nicht zu abrupt um. Am besten nehmen Sie schon einige Tage vor Fastenbeginn leichtere Kost zu sich und verzichten auf Genussmittel wie Alkohol, fette Snacks oder Süßigkeiten. Auch beim „Fastenbrechen“ sollten Sie langsam wieder zu normaler Kost übergehen.

Machen Sie keine Nulldiät: Gönnen Sie sich an den Fastentagen etwas Gemüsebrühe, Tee mit Honig, frische Obst- und Gemüsesäfte oder Molke. Bis zu 500 kcal pro Tag sind in Ordnung. Das liefert kleine Mengen an Kohlenhydraten, Eiweißen und Vitaminen.

Basische Kost: Eine Übersäuerung durch das Fasten lässt sich mit Obst- und Gemüsesäften sowie mit hydrogencarbonatreichen Wässern vermeiden.

Trinken Sie reichlich: Viel Flüssigkeit fördert die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten. Ideal sind Wässer mit reichlich Mineralstoffen und Hydrogencarbonat sowie Kräutertees, Säfte oder Saftschorlen.

Bewegung und Ruhe: Wer beim Fasten sportlich aktiv ist, tut seinem Körper etwas Gutes und verhindert den Abbau der Muskulatur. Insgesamt empfiehlt es sich, gesund zu leben und Stress zu vermeiden.

Neue Wege finden: Wenn Sie nach dem Fasten weitermachen wie bisher, ist nicht viel gewonnen. Nutzen Sie den Einschnitt, um schlechte Gewohnheiten loszuwerden und neue Wege zu beschreiten.