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Die Privatsphäre von Kindern achten

Privatsphäre

Kleine Kinder legen wenig Wert auf eine Privatsphäre. Offene Türen und elterliches Stöbern in den eigenen Sachen stellt für sie kein großes Problem dar. Doch das ändert sich in den ersten Jahren der Schulzeit. Wie gehen Eltern mit der Forderung ihrer Kinder nach einer eigenen Privatsphäre um? Je älter Kinder werden, desto mehr Geheimnisse haben sie - auch vor ihren Eltern. Kinder fordern eine eigene Privatsphäre; in welchem Umfang, das hängt von der Persönlichkeit des jeweiligen Kindes ab. Eltern müssen lernen, dies zu akzeptieren und zu respektieren. Während Kleinkinder es nicht weiter ungewöhnlich finden, dass Eltern jederzeit das Kinderzimmer betreten können und dort eine Ordnung nach ihren Vorstellungen schaffen, kann dies bereits im Grundschulalter ganz anders aussehen.

"Bitte klopfen."

Das Kinderzimmer ist der Rückzugsort Ihres Kindes. Ein Kind, das die Tür zu seinem Zimmer schließt, möchte vielleicht ganz einfach einmal in Ruhe gelassen werden. Das sollten Eltern auf jeden Fall respektieren und davon absehen, ohne Voranmeldung ins Zimmer zu platzen (abgesehen natürlich von Notfällen oder wenn sie groben Unfug befürchten). Auch Eltern sollten anklopfen und gegebenenfalls sogar um die Erlaubnis bitten, eintreten zu dürfen. Einigen Kindern ist die Privatsphäre sogar so wichtig, dass sie ein "Bitte klopfen"-Schild an ihre Tür hängen. Dies sollte von den Eltern nicht als persönlicher Angriff oder als Ausschluss verstanden werden, sondern vielmehr als eine normale Verhaltensweise, wie sie der Entwicklung des Kindes angemessen ist. Oftmals möchten Kinder auf diese Weise auch testen, wie viel Vertrauen ihnen seitens der Eltern entgegengebracht wird.

Aufräumen in Abwesenheit.

Wenn Sie das Zimmer Ihres Kindes aufräumen möchten während es sich gerade in der Schule oder auf dem Spielplatz aufhält, kündigen Sie dies einfach vorher an. So hat das Kind die Möglichkeit, Schätze und Geheimnisse vor Ihnen „in Sicherheit“ zu bringen - und widerstehen Sie der Versuchung, danach zu suchen.

Die Schlüsselfrage.

Manche Kinder möchten bereits im Grundschulalter Ihren eigenen Zimmerschlüssel bekommen. Die Bitte um einen Schlüssel sollten Sie jedoch ablehnen. Der Schlüssel könnte verloren gehen und natürlich müssen Sie im Notfall das Zimmer auch jederzeit betreten können. Schaffen Sie stattdessen ein Vertrauensverhältnis, das Ihrem Kind die Gewissheit gibt, dass Sie auch das nichtabgeschlossene Zimmer nicht ohne Ankündigung betreten.

Die eigene Schatzkiste.

Schlagen Sie Ihrem Kind vor, eine eigene "Schatzkiste" einzurichten. Geben Sie ihm das Versprechen, diese Schatzkiste niemals ohne sein Einverständnis zu öffnen. In der Kiste könnte Ihr Kind alles verstauen, was ihm lieb ist und von dem es nicht möchte, dass Sie davon wissen. Zu einer Schatzkiste ließe sich z. B. eine alte Truhe vom Trödelmarkt, ein alter Wäschekorb oder auch einfach eine Schublade umfunktionieren. Wenn das Kind es wünscht, kann die Schatzkiste auch mit einem Schloss versehen werden. Zur Sicherheit sollten Sie aber einen Zweitschlüssel behalten - natürlich ausschließlich für den Fall, dass der Hauptschlüssel verloren geht.

Nicht bloßstellen.

Privatsphäre

Zur Wahrung der Privatsphäre gehört es auch, nicht gleich über alle Erlebnisse und eventuellen Missgeschicke Ihres Kindes im Beisein anderer Erwachsener zu berichten. Selbst wenn Sie selbst diese „Geschichten“ lustig oder auch harmlos finden - vielen Kindern ist es peinlich, wenn sie in ihrem Beisein erzählt werden.

Geheimnisse.

In der Schule, bei Freunden oder beim Spielen verbringen Kinder viel Zeit ohne ihre Eltern. Genug Gelegenheit für Erlebnisse, von denen Kindern ihren Eltern nicht unbedingt berichten möchten. Dazu gehören kleine Streiche oder Streitigkeiten, aber auch vertraute Gespräche und Geheimnisse mit Freunden. Viele Eltern haben ein Gespür dafür, wenn ihr Kind ihnen etwas nicht erzählen möchte. Aber auch das gehört zur Privatsphäre: Kinder brauchen ihre Geheimnisse. Wenn Kinder von sich aus etwas berichten wollen, werden sie das zu dem für sie richtigen Zeitpunkt tun. Trotzdem müssen Eltern aufmerksam bleiben und „harmlose“ Geheimnisse von einem ernsthaften Vorfall oder unangenehmen Erlebnissen unterscheiden, die ihr Kind mit sich herumträgt oder unter denen es leidet – beispielsweise Mobbing in der Schule.

Der Umgang mit dem Internet.

In den fortgeschrittenen Klassen der Grundschule lernen Kinder oftmals bereits den Umgang mit dem Computer und dem Internet. Hier verhält es sich mit dem Einräumen einer Privatsphäre etwas komplizierter. Wichtig ist es vor allem, mit dem Kind offen über die Gefahren des Internets zu sprechen. Gewähren Sie ihm nach Möglichkeit nur Zugriff auf spezielle Kindersuchmaschinen und nutzen Sie die Möglichkeiten technischer Filter. Gerade die ersten Versuche mit dem Internet sollten nur in Ihrer Gegenwart stattfinden. Für Eltern mag es zunächst schwer sein, die Privatsphäre des Kindes zu achten – nicht unbedingt aus Neugierde, sondern vor allem auch aus Sorge um das Wohl des Kindes. Trotzdem sollten Sie Ihrem Kind vertrauen. Das stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein des Kindes, sondern umgekehrt auch sein Vertrauen in Sie.